Warum brauchen Frauen Ihrer Meinung nach eine besondere Beratung beim Autoverkauf?
Stefanie Gerneth: Weil sie nicht das ganz große Technikverständnis und -interesse haben. Da muß der Verkäufer ein wenig umdenken und den Kundinnen nicht etwas über die Motorenstärke, Newtonmeter und den Hubraum erzählen. Stattdessen sollen die pflegeleichten Polster erklärt werden, die Airbags und wo sie versteckt sind und die für den Mann offensichtlichen Einbauten am Armaturenbrett, die die Frau aber nicht gleich entdeckt oder eben nicht kennt.
Bedienen Sie dadurch nicht das Klischee?
Stefanie Gerneth: Bedienen möchte ich nicht sagen; genau dagegen will ich ja arbeiten. Die Frauen sind ja die zukünftigen Kundinnen, gerade bei den Autos. Die wenigsten Männer entscheiden selbst, welches Auto gekauft wird. Da muß nochmal zu Hause angerufen oder gar ein Wochenende darüber nachgedacht werden.
Warum kennen Sie sich als Frau eigentlich mit Autos aus?
Stefanie Gerneth: Ich habe schon als Kind lieber mit Autos als mit Puppen gespielt. Ich glaube, ich besaß nicht mal eine Puppe. Mit zwei Brüdern und zwei Nachbarjungen blieb mir ja gar nichts anderes übrig als mit Carrerabahn und Matchboxautos zu spielen. So hatte ich immer einen Blick für ein schönes Auto und habe mich mehr mit Form und Ausstattung - zu dieser Zeit zugegebenermaßen weniger für Motoren und sonstigen technischen Details - beschäftigt, als mit Puppenkleidern und später mit - tja, mit was beschäftigen sich Mädchen/Frauen?
Was empfehlen Sie Frauen, die Sie um Rat fragen?
Stefanie Gerneth: Einfach mal einen Autokatalog anschauen und nicht zögern, Fragen zu stellen. Mich oder auch mal einen Autoverkäufer.
Was sind das für Frauen, die zu Ihnen kommen?
Stefanie Gerneth: Ganz unterschiedlich. Die gehetzte Geschäftsfrau, die zwar genau weiß, was sie will, aber eben einfach keine Zeit dafür hat. Die frisch Geschiedene, die mit der Abfindung oder Ähnlichem sich die “Freiheit” mit einem flotten Flitzer kaufen möchte oder die Hausfrau oder Alleinerziehende, die sich nicht so gut auskennt, aber niemanden hat oder fragen möchte.
Wie viele sind das - haben Sie eine Marktlücke entdeckt?
Stefanie Gerneth: Ich stehe noch am Anfang meiner Selbständigkeit, ich hoffe, es werden mehr Frauen darauf aufmerksam. Eine Marktlücke sehe ich auf jeden Fall, sonst hätte ich nicht damit angefangen.
Sind die meisten Frauen nicht zu stolz für so was?
Stefanie Gerneth: Warum zu stolz? Eher zu schüchtern. Zur Zeit kaufen Männer ihren Frauen Schmuck, Kleidung zu ihrer Freude und eben ein Auto, damit er beweisen kann, wie gut er sich auskennt und wieviel Geld er für Sie ausgibt.
Was stört Frauen an männlichen Beratern beim Autoverkauf?
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